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Die letzten, bewegenden Wochen haben mich von Cham nach Langenthal, Paris, Bern und Warschau geführt. So unterschiedlich die Stationen waren, so klar war die Mission: die Aufarbeitung von Kindesmissbrauch und der Schutz der nächsten Generation.
In Langenthal fand das jährliche Sommerfest der ehemaligen Heim- und Verdingkinder statt. Rund 800 Betroffene kamen auf Einladung der Guido Fluri Stiftung zusammen. Für viele war es ein Tag des Wiedersehens, des Austauschs und der Anerkennung.

Dass Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider als Ehrengast dabei war, war ein starkes Zeichen. Die Schweiz hat mit der Wiedergutmachungsinitiative vorgemacht, wie man dunkle Kapitel der Landesgeschichte aufarbeitet und den Betroffenen Gerechtigkeit verschafft. Aber diese Arbeit ist nicht einfach abgeschlossen. Wir müssen die Erinnerung wachhalten, den Betroffenen weiter zuhören und das Schweizer Modell der Aufarbeitung und Wiedergutmachung auch in Europa weitertragen.
Kurz darauf war ich in Paris. Dort hat der französische Senat einen wichtigen Gesetzesentwurf angenommen. Er betrifft die sogenannten «Enfants de la Creuse», also Kinder von La Réunion, die zwischen 1962 und 1984 von ihren Familien getrennt und nach Frankreich gebracht wurden.
Viele dieser Menschen haben lange darauf gewartet, dass ihr Leid anerkannt wird. Dass Frankreich nun diesen Schritt macht, ist für die Betroffenen sehr wichtig.

Der Gesetzesentwurf basiert auf der Resolution 2533 des Europarats. Diese Resolution verlangt von den Mitgliedstaaten die Aufarbeitung von institutionellem Kindesmissbrauch und Wiedergutmachung für die Opfer nach dem Vorbild des Schweizer Modells. Dass es diese Resolution gibt, ist auch das Ergebnis der Justice Initiative, die von unserer Stiftung ins Leben gerufen wurde.
Für mich persönlich war es sehr bewegend, von Senatorin Viviane Malet eine Ehrenmedaille entgegennehmen zu dürfen. Eine solche offizielle Anerkennung durch den französischen Senat bedeutet mir viel. Gleichzeitig ist mir wichtig: Diese Medaille gehört nicht mir allein. Sie steht für das Engagement vieler Menschen, die seit Jahren für die Betroffenen kämpfen, ihnen zuhören und nicht locker lassen.
Zurück in der Schweiz ging es auch in Bern um den Schutz von Kindern und Jugendlichen. Dort wurden 25’000 Unterschriften einer Petition gegen Deepfake-Pornos dem Justizdepartement übergeben. Die Petition fordert, dass Bundesrat und Parlament konsequenter gegen sexualisierte Gewalt im Internet vorgehen.

Denn heute findet Missbrauch nicht nur in Institutionen statt. Er findet auch online statt. Deepfake-Pornos, pädokriminelle Inhalte und digitale Gewalt sind keine Randprobleme. Sie verletzen Menschen schwer. Besonders Kinder und Jugendliche müssen besser vor diesen Gefahren geschützt werden.
Mit der Internet-Initiative wollen wir erreichen, dass Tech-Plattformen stärker in die Verantwortung genommen werden und die Verbreitung von gefährlichen und illegalen Inhalten unterbinden. Denn auch im Internet darf der Schutz von Kindern nicht freiwillig sein. Er muss verbindlich werden. Unterschreiben Sie deshalb heute noch unsere Internet-Initiative für ein sicheres Internet!
In Warschau nahm ich an einer Konferenz der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, GEKE, teil. Dort ging es um den Schutz vor sexualisierter Gewalt in Kirchen.
Auch hier spielt die Resolution 2533 des Europarats eine wichtige Rolle. Die GEKE bekennt sich zu dieser Resolution und will dazu beitragen, ihre Forderungen in den Kirchen umzusetzen. Das ist ein wichtiger Schritt.
Denn Aufarbeitung darf nicht nur aus schönen Worten bestehen. Institutionen müssen Verantwortung übernehmen. Sie müssen hinschauen, aus Fehlern lernen und konkrete Schutzmassnahmen verbessern. Die GEKE geht hier voran.

Ob in Langenthal, Paris, Bern oder Warschau: Für mich stand überall die gleiche Frage im Zentrum. Schauen wir hin, wenn Menschen Schutz brauchen? Oder warten wir wieder zu lange?
Die letzten Wochen haben mir einmal mehr gezeigt, wie viele Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen: Betroffene, Angehörige, Politikerinnen und Politiker, Fachpersonen, Kirchenvertreterinnen und Kirchenvertreter sowie engagierte Bürgerinnen und Bürger. Ihnen allen gilt mein grosser Dank.
Diese Arbeit ist manchmal langwierig. Sie braucht Geduld, Beharrlichkeit und Menschen, die nicht wegschauen. Aber sie ist notwendig.
Aus der Vergangenheit zu lernen heisst für mich, heute zu handeln. Für die Opfer von gestern. Und für die Kinder von heute und morgen.