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Am nationalen Treffen in Langenthal kamen 800 ehemalige Heim- und Verdingkinder sowie weitere Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen zusammen.
Es war die grösste Zusammenkunft der letzten noch lebenden Zeitzeuginnen und Zeitzeugen dieses dunklen Kapitels der Schweizer Sozialgeschichte.

Eine besondere Ehre war der Besuch von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider. In ihrer Rede hielt sie fest, wie wichtig das gemeinsame Erinnern für die Betroffenen, aber auch für die Schweiz als Ganzes ist: «Erinnerungen und Verletzungen, die man lange allein getragen hat, werden leichter, wenn man sie teilen kann. Und das gemeinsame Erinnern ist auch ein Beitrag an die Gesellschaft: Es hält wach, was nicht in Vergessenheit geraten darf.»
Diese Worte haben mich sehr berührt. Denn genau darum geht es bei diesem Treffen: Die Betroffenen sollen spüren, dass sie nicht vergessen sind. Dass ihr Leid gesehen wird. Und dass ihre Geschichte heute ein Teil der Schweizer Geschichte ist.
Ich danke Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider herzlich für ihre Teilnahme. Ihre Anwesenheit bei 800 Menschen, die in ihrem Leben viel Leid erfahren haben, ist ein starkes Zeichen der Wertschätzung. Sie zeigt, dass sich die Politik von heute mit der Politik von früher auseinandersetzt und bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.

In meiner Rede war es mir wichtig, die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart aufzuzeigen. Die Geschichte der Verdingkinder hat uns gezeigt, was Schweigen, Wegsehen und institutionelles Versagen anrichten können. Diese Lehre darf nicht abstrakt bleiben. Sie muss uns auch heute leiten, wenn Kinder Schutz brauchen.
Darum engagiert sich die Guido Fluri Stiftung weiterhin im Kindesschutz. Mit der «Internet-Initiative» wollen wir erreichen, dass die Verbreitung von Gewalt im Netz konsequent bekämpft wird. Denn auch heute stellt sich die Frage, ob wir hinschauen oder wegsehen. Ob Politik, Gesellschaft, Schulen, Familien und Technologieunternehmen bereit sind, den Schutz von Kindern höher zu gewichten als Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit und Profit.
Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider sagte in Langenthal, Aufarbeitung sei kein abgeschlossenes Projekt. Sie brauche Kontinuität, Aufmerksamkeit und Geduld. Genau so ist es. Erinnerung darf nicht von einzelnen Momenten abhängen. Sie muss bleiben.
Ich danke allen Beteiligten, die dieses Treffen möglich gemacht haben. Und vor allem danke ich den ehemaligen Heim- und Verdingkindern und allen weiteren Betroffenen, die nach Langenthal gekommen sind. Sie tragen ihre Geschichte weiter. Damit leisten sie einen unschätzbaren Beitrag für unser Land.